Gedanken zu „ZEITREISE – von ABBA bis SCHUBERT“ 3/3
Zeitreise in die Moderne
Mit dem populären Rock-Song und Evergreen Music von John Miles aus dem Jahre 1976 leitet das Akkordeon-Orchester wieder zum letzten Chorblock über, der uns nun in die jüngste Vergangenheit führt.
Mit den 70-er Jahren startet auch das Finale unserer Zeitreise: Basierend auf einem sehr erfolgreichen Folksong von Gary Bolstad, dichtete Hannes Wader – der seinen Aufstieg zum bekannten sozialkritischen Liedermacher nicht zuletzt der Empfehlung von Reinhard Mey verdankte – 1972 den deutschen Text von Heute hier, morgen dort. Mit seiner eingängigen Melodie und dem „Alltags-philosophischen“ Text traf das Lied den Nerv der Zeit und wurde so zum „modernen Volkslied“. Darüber hinaus wurde der Titel zu einem „geflügelten Wort“ der deutschen Alltagssprache. Das Lebensgefühl eines Menschen, der immer unterwegs ist und sich dem stetigen Wandel der Welt anpassen muss, dürfte auch und gerade in heutiger Zeit wieder besonders aktuell sein. Seit 1972 eröffnet Hannes Wader seine Konzerte übrigens mit diesem Lied, das so zu seiner „Erkennungs-Melodie“ geworden ist.
Über den Wolken ist eines der bekanntesten Lieder Reinhard Meys von 1974 und die Zeile aus dem Refrain Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ ist ebenfalls zum „geflügelten Wort“ geworden. Hintergrund des Liedes war die Begeisterung Meys fürs Fliegen: Er absolvierte eine Flugausbildung zum Erwerb der Piloten-Lizenz am Flugplatz Wilhelmshaven-Mariensiel anno 1973. Da er auch direkt am Flugplatz wohnte, verarbeitete er seine täglichen Eindrücke in diesem Lied. Durch die Assoziationen an „Freiheit“ im Liedtext, durfte Mey dieses Lied bei Konzerten in der DDR nicht spielen. Dennoch ist auch dieses Lied zu einem modernen deutschen Volkslied geworden, das viele ehrende Kommentare in Funk und Presse erfahren hat. Bei der Wahl der 100 besten Lieder des Jahrhunderts im ZDF im Rahmen der Sendung Unsere Besten – Jahrhunderthits im Jahr 2005 erreichte Über den Wolken den 4. Platz.
Als Antwort auf die seit den 80-er Jahren geführten Diskussionen über Männer- und Frauenrollen erschien im Mai 1984 Herbert Grönemeyers Rocksong Männer. Inhaltlich beschrieb er verschiedene Eigenschaften bzw. Klischees von Männern wie „Kriege führen, Raketen bau’n, Pfeife rauchen, Männer sind furchtbar schlau“ – andrerseits tauchen auch Attribute auf, die eher nicht der traditionellen Männerrolle entsprechen: „Männer nehmen in den Arm, Männer geben Geborgenheit, Männer weinen heimlich“ etc. Als Pointe stellt Grönemeyer die rhetorische Frage: „Wann ist ein Mann ein Mann?“ und karikierte die Absurdität dieser Debatte um Geschlechterrollen, Chauvis, Machos und Softies. Mit diesem Song gelang Grönemeyer der Durchbruch vom Schauspieler zum nationalen Musikstar der deutschen Rockszene.
Mit einem internationalen „Superhit“ der schwedischen Gesangsgruppe ABBA – gesungen vom Männerchor und begleitet vom Akkordeon-Orchester – kommt unsere musikalische Zeitreise zu ihrem Höhepunkt: Der Popsong Mamma Mia handelt von einer Frau, die immer wieder von ihrem untreuen Partner enttäuscht wird und ihm dennoch verzeiht, da sie nicht stark genug ist eine Trennung durchzuziehen. Auch wenn die Handlung klischeehaft wirkt – im italienischen Titel Mamma Mia = „Meine Güte“ steckt ja schon das gewisse „Augenzwinkern“ – überzeugte der mitreißende Popsong wieder das internationale Publikum, wo er wochenlang auf Platz 1 der Chartlisten stand. Eine Rolle bei diesem Erfolg dürfte auch der Einsatz modernster Studio-Technik gespielt haben: Instrumente wurden erstmals auf verschiedenen Spuren aufgenommen und anschließend individuell gemischt. Man experimentierte mit verschiedenen Instrumenten und es kamen xylophon-artige Schlaginstrumente zum Einsatz. Band-Mitglied Andersson entdeckte eine Marimba im Studio und wollte zunächst nur provisorisch diverse Takte einstimmen, die jedoch gefielen und daher in das Stück integriert wurden. Vor allem dieses Instrument wurde zum Markenzeichen des Songs.[6] Ein zusätzliches Streicherarrangement verlieh dem Arrangement einen zusätzlichen Reiz. Agnetha Fältskog, Björn Ulvaeus, Benny Andersson und Anni-Frid Lyngstad – deren Anfangsbuchstaben zum Gruppennamen ABBA zusammengesetzt waren – hatten wieder einen WELTHIT; nachdem sie mit Waterloo 1974 den Eurovision Song Contest im englischen Seebad Brighton gewonnen hatten.
(Enrico Trummer)

Liederkranz Kornwestheim